Blütenpracht der Kapellbrücke

Sie hängen und begeistern

Bunt, gepflegt und fotogen: Hinter dem perfekten Fotosujet steckt viel Herzblut und Arbeit.

Floraler Schmuck als Tradition

Was es braucht, damit es einen Sommer lang munter blüht in den Kisten. Das ist ziemlich viel, inklusive der Erdmischung. Das Rezept erfahren Sie hier.

Wer als Erster auf die Idee kam, Blumenkisten an die Balustraden der Kapellbrücke zu hängen, ist unklar. Anfänglich wurden nur die beiden Brückenköpfe mit Blumen geschmückt. Zu ihrem 800-jährigen Jubiläum erhielt die Stadt Luzern 1978 vom Gärtnermeisterverband Blumenkisten, um für die Feierlichkeiten erstmals die Brücke seeseitig zu schmücken. Die einmalig geplante Aktion kam bei der Bevölkerung so gut an, dass die Brücke fortan jeden Sommer geschmückt wurde. Schon bald forderten einige Stimmen (unter anderem umliegende Hotels), auch die andere Seite mit Blumenkisten auszustatten, was aber die Stadt stets ablehnte: zu teuer und zu aufwändig. Erst 2006 ergriff der ehemalige Leiter der Stadtgärtnerei, Thomas Schmid, die Initiative und realisierte als «Rüüdiger Lozärner» die Schmückung der gesamten Kapellbrücke.

Vom Stadtlauf bis zum Swiss City Marathon

Anfang Mai hängen Mitarbeiter der Stadtgärtnerei die Blumenkisten jeweils an die Balustraden der Kapellbrücke – je nach Witterung, meist gerade rechtzeitig zum Luzerner Stadtlauf. Das perfekte Datum zu finden, ist nicht ganz einfach. Da gibt es Markttage, Anlässe und innerbetriebliche Abläufe zu berücksichtigen. Sind die Blumen erst mal an der Brücke platziert, sind sie noch recht klein und wachsen von Tag zu Tag. Ihre volle Blütenpracht erreichen sie in den Monaten Juli bis September. Ende Oktober ist Schluss: Nach dem Swiss City Marathon werden die Kisten abgeräumt, der Inhalt landet auf dem Kompost der Stadtgärtnerei, wo die Grundlage für den Blumenschmuck des folgenden Jahres entsteht. Der Kreislauf schliesst sich.

Noch sind sie in den sorgsamen Händen von Christoph Schoch von der Stadtgärtnerei Luzern, doch bald zieren diese Pflanzen die Blumenkisten der Kapellbrücke.
Ordentlich aufgereiht warten diese Hängegeranien in der Stadtgärtnerei auf ihren Einsatz auf der Kapellbrücke.
Die Produktion dieser
Kisten ist jedes Jahr ein Highlight für mich – ja, für das ganze Team.
Christoph Schoch, Produktionsleiter Stadtgärtnerei

Vorbereitung dauert ein Jahr

Christoph Schoch beeinflusst als Leiter Produktion der Stadtgärtnerei seit Jahrzehnten das florale Erscheinungsbild der Kapellbrücke. Langweilig wird es ihm deswegen noch lange nicht. Der leidenschaftliche Gärtner komponiert und realisiert jedes Jahr ein neues Blumenarrangement für die 278 Kisten. Dabei macht er sich schon ein Jahr voraus Gedanken über die Farbzusammenstellung, über die Auswahl der Pflanzenart und deren Pflege. Wer als Blumenschmuck einen Sommer lang auf der Kapellbrücke brillieren will, muss pflegeleicht und robust sein. Pflanzenschutzmittel wird keines eingesetzt.

Produziert von der Stadtgärtnerei

Keine weitgereiste Massenware, sondern Qualitätsblumen aus dem heimischen Gewächshaus: Die Stadtgärtnerei Luzern produziert den Blumenschmuck der Kapellbrücke allesamt selbst. «Da wissen wir, was wir haben», sagt Christoph Schoch. Von der Aufzucht über das Mischen der Spezialerde und der Bepflanzung bis zur Pflege kommt alles aus einer Hand. «Unser Ziel ist es, gesunde und robuste Pflanzen zu produzieren, die den Sommer an dieser Lage problemlos überstehen. Das Schlimmste wäre, wenn wir mitten im Sommer die Kisten abräumen müssten, weil die Pflanzen darin eingehen», so Christoph Schoch. «Davor habe ich immer etwas Bammel. Aber das ist zum Glück noch nie passiert.»

Nicht irgendeine Erde

Wichtige Basis für eine sommerlange Blütenpracht ist die Erde. Die Spezialmischung ist extra auf die Bedürfnisse der Pflanzen in den Blumenkisten der Kapellbrücke zugeschnitten und wird von Mitarbeitern der Stadtgärtnerei im Frühling frisch zusammengemischt. Von Kokosfaser bis zur Schafwolle: Die innovativen Gärtner tüfteln und pröbeln ständig an ihrem Rezept. Die Zusammensetzung soll möglichst umweltverträglich sein. Ziel ist es, eine hohe Grundversorgung ausschliesslich mit organischen Inhaltsstoffen sicherzustellen. Hauptsächlich kommt der städtische Kompost zum Einsatz – ein idealer Superdünger, bis auf den fehlenden Stickstoff. Darum mischen die Stadtgärtner zusätzlich Hornmehl, Hornspäne und Schafwolle hinzu, die sich unterschiedlich schnell zersetzen.

Die Zutatenliste der Erdmischung

  • Landerde dient als Grundlage
  • Kompost ist der Hauptnährstofflieferant
  • Sand verbessert die Entwässerung
  • Bims ist Luft-, Wasser- und Nährstoffspeicher
  • Kokos- und Holzfasern erhöhen die Wiederbenetzbarkeit
  • Hornmehl, Hornspäne und Schafwolle fördern das Wachstum

 

Marienkäfer, Raubmilben und Schlupfwespen...
...sorgen für ein gesundes Klima.
Diese Erde ernährt
die Pflanzen in den Blumenkisten fast ein
halbes Jahr lang. Die muss was können.
Christoph Schoch, Produktionsleiter Stadtgärtnerei

Nützlinge statt Pestizide

Machen sich Schädlinge breit, greifen die Stadtgärtner zu Insekten – sogenannten Nützlingen. Pestizide dürfen so nah am Wasser keine versprüht werden. So heisst es: Marienkäfer und Schlupfwespen versus Blattläuse, Spinnmilben und Weisse Fliegen. «Es geht nicht darum, alle Schädlinge oder Bakterien zu eliminieren, sondern dass diese nicht die Überhand gewinnen», sagt Christoph Schoch. Erstarken die Schädlinge, müssen auch die Nützlinge unterstützt werden. Schon bei der Aufzucht der Pflanzen kommen darum die kleinen Helfer zum Einsatz.

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