Der Bilderzyklus der Spreuerbrücke

Wo Skelette tanzen und die Reuss rauscht

Auf den Dreieckbildern der Spreuerbrücke ist der Tod allgegenwärtig. Die Motive symbolisieren den Totentanz.

Niemand ist vor dem Tod sicher

Seit rund 400 Jahren hängen bemalte Holztafeln im Dachgebälk der Spreuerbrücke und erzählen von Begegnungen zwischen Lebenden und Toten.

Erste Bilder wurden um 1616 auf der Spreuerbrücke aufgehängt, die übrigen mit Jahreszahlen versehenen Tafeln datieren zwischen 1630 und 1637. In diesem Jahr erschien auch die erste Publikation über die Verse auf den Bilderrahmen. Damals bestand der Zyklus mit grösster Wahrscheinlichkeit aus 71 Bildern.

Renovationen und Veränderungen

Immer wieder wurden die der Feuchtigkeit ausgesetzten Bilder renoviert. So von 1727 bis 1730, um 1858 und 1924/25. Dabei wurden zwar Details verändert, die Bildinhalte sind aber bis heute erhalten. 1743 waren die Verse kaum mehr lesbar. Deswegen erhielt der Priester Jost Franz Halter den Auftrag, die Sprüche zu verbessern. Einige Bilder gingen 1785 verloren, als die Spreuerbrücke verkürzt wurde.

Kaspar Meglinger...
...darf als Hauptmeister des Zyklus' der Spreuerbrücke bezeichnet werden.
Der Kreislauf der Schöpfung ist gerade auch auf der Spreuerbrücke spürbar, wo der Strom des Wassers rauschend vorbeizieht.
Heinz Horat, Kunsthistoriker und Buchautor

Angefangen bei Adam und Eva

Der eigentliche Totentanz-Zyklus beginnt auf der Seite des Herrenkellers mit dem Totenreigen, dem Sündenfall und der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies. Auf den Tafeln 4 bis 27 wechseln sich die kirchlichen und weltlichen Würdenträger in hierarchischer Reihenfolge ab. Die Tafeln 28 bis 49 stellen die Stände dar, vom Doktor bis zum Weltmann. Die Tafeln 50 bis 57 nehmen das Thema der Lebensalter auf, vom Kind bis zur Greisin. Auf den Tafeln 58 bis 63 wird die Reihe der Stände fortgesetzt. Auf der Tafel 64 endet die soziale Leiter und kommt mit dem Narrentanz auf das Motiv des Reigens zurück. Die Tafeln 65 bis 67 schliessen den Zyklus mit Themen der Endzeit: der Gang der Zeit, die Auferstehung der Toten, das Jüngste Gericht.

Der Abbildung von Alltagsszenen verpflichtet

Für zwei Tafeln wird der zu seiner Zeit bekannteste Luzerner Maler Kaspar Meglinger 1632 von der Obrigkeit bezahlt. Die letzte Tafel war von ihm signiert worden. Darum und aus stilistischen Gründen darf er als der Hauptmeister des Zyklus‘ bezeichnet werden, wobei bestimmt auch viele Malerkollegen beschäftigt wurden. Für seine Bilder verwendete Kaspar Meglinger zahlreiche grafische Vorlagen. Der Totentanz von Hans Holbein dem Jüngeren spielte eine wichtige Rolle. Auch ganz andere Werke, etwa jene der Münchner Werkstatt Sadeler, kombinierte Meglinger mit seinem Schaffen. Dass er der damals modernen Genremalerei verpflichtet war, zeigt sich in den zahlreichen Szenen des alltäglichen Lebens, die er mit den Porträts der Auftraggeber versah.

Der Weg vom Herrenkeller zum Mühlenplatz –
vom linken zum
rechten Reussufer

Der Weg vom Mühlenplatz zum Herrenkeller –
vom rechten zum linken Reussufer

Im Überfluss

Bei der Komposition des Bildprogramms dürfte das biblische Buch des Predigers inspirierend gewirkt haben. Der Prediger beschreibt Menschen, die im Überfluss leben – wie viele der auf den Brückenbildern dargestellten Leute, die trotz des ernsten Themas Lebenslust, Hochmut, Stolz und Selbstsicherheit ausstrahlen. Der das Buch einleitende Satz «Höchste Vergänglichkeit, spricht der Prediger, höchste Vergänglichkeit, alles ist vergänglich» lässt den Text mit denselben Worten auch wieder ausklingen. Vergänglichkeit, Eitelkeit und Nichtigkeit werden dabei gleichgesetzt. Der Kreislauf der Schöpfung ist auf der Spreuerbrücke gut spürbar. Das Wasser der Reuss rauscht vorbei.

Der Tod ist Mitspieler

Die Gemäldereihe konnte von jedem mit den lokalen Begebenheiten vertrauten Zeitgenossen sofort als Darstellung der Luzerner Gesellschaft gelesen werden. So sind zum Beispiel Patrizierfamilien porträtiert. Der dargestellte Tod dürfte dabei keine allzu grosse Wichtigkeit erlangt haben. Zu sehr wird er von den hochnäsigen Protagonisten und Protagonistinnen verdrängt. Der Tod fügt sich elegant in die Gruppen der Dargestellten ein. Als Mitspieler, nicht als Zerstörer.

Der Totentanz zum Hören

Der Audioguide zum Totentanz führt Sie über die Spreuerbrücke und bringt Ihnen die bemerkenswerten Bilder des Zyklus‘ näher.

Der Audioguide zum Totentanz, den das Historische Museum Luzern konzipiert hat, vermittelt Ihnen Hintergründe zu ausgewählten Bildern des Zyklus‘ und deren Geschichte. Hören Sie rein in das rund 20-minütige Hörspiel und erfahren Sie mehr zum bedeutenden Bilderzyklus der Spreuerbrücke. Sie können den Audioguide weiter unten anklicken. Starten Sie den Audioguide beim Historischen Museum. Er führt Sie vom linken Reussufer über die Brücke zum Mühlenplatz und wieder zurück.

Dank an das Historische Museum

Dieser Audioguide kann hier nur dank der Unterstützung des Historischen Museums Luzern angeboten werden. Herzlichen Dank für die wertvolle Zusammenarbeit.

Konzept/Regie: Buschi Luginbühl
Spiel: Martina Binz, David Gilgen, Manuel Kühne, Roger Pfyl, Franziska Senn und Walter Sigi Arnold
Musik: Till Löffler & Jakob Eisenbach (in Zusammenarbeit mit der ZHdK)
Gesang: Meret Roth
Tontechnik: Roland Fatzer

Audioguide zum Totentanz
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Museum und starten Sie den Audioguide.
Viel Vergnügen!
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